2015

Erinnerung an meinen Freund, den Architekten Adolf Doerfler (1941-2015)

Wir trafen uns im Sommer 1979 - er war Bürochef bei Professor Hardt-Waltherr Hämer für den Neubau der Stadthalle in Paderborn, ich hatte gerade mein Diplom an der TU-Berlin erhalten und mußte erkennen, daß eine berufliche Zukunft im Architekturbüro meines Vaters nicht möglich war. Ich suchte einen Job, um mich zu finanzieren nachdem mein Vater seine  Zahlungen eingestellt hatte und genau so bewarb ich mich. Adolf hat mir vertraut und mich eingestellt.

Nach seinem Studium in Stuttgart war er bei verschiedenen Berliner Architekturbüros (u.A. Gerd Hänska und Breitschwerdt & Honeck) und mit eigenen Projekten beschäftigt, bevor ihn "Gustav" Hämer für die Ausführungsplanung der Stadthalle in Paderborn engagierte. Ich konnte ihm dabei nur kurz helfen, da ich mit einem Jugendzentrum, einem eigenen Bauteil innerhalb des Stadthallenkomplexes beschäftigt wurde. 

Zum Abschluß des Paderborn-Projektes 1981 wollte er aufhören, als Architekt zu arbeiten, reisen und die Welt  sehen - dieser Romantiker! Er fuhr auf einem Motorrad nach Portugal und zeichnete nach seiner Rückkehr mit mir und anderen Gleichgesinnten Wettbewerbe, bis wir 1988 endlich nach 2 Erfolgen und daraus resultierenden Aufträgen unser eigenes Architekturbüro gründen konnten. Das haben wir dann 10 Jahre gemeinsam geführt: Früchte dieser Arbeit waren u. a. die "Kindertagesstätte Ortolanweg" in Berlin Neukölln, das "Haus für die Studentenschaft der Freien Universität Berlin" in Berlin Dahlem (heute "Institut für Weiterbildung der Freien Universität Berlin") und ca. 300 Wohnungen für die Köhnlein Wohnbau AG.

Zwischenzeitlich gründete Adolf eine Familie mit seiner Ehefrau Christel und wurde Vater (von seiner Tochter Eva-Marie).  Soweit mir bekannt ist, plante der Architekt Adolf Doerfler ab 2000 vornehmlich im engsten Umkreis seines Wohnortes in Berlin-Schlachtensee und an seinem 2. Wohnsitz  im Rheingau.

Gefreut habe ich mich immer über seine gezeichneten Urlaubskarten aus fast allen Gegenden dieser Welt. Da er sich weigerte, "in seinem Alter" noch das  Zeichnen am Computer zu lernen, vertraute er auf seine leicht hingeworfenen, überzeugenden Skizzen und händisch gezeichneten Ausführungspläne, in denen selten ein "Menschlein" oder eine Pflanze fehlte.

Bis zuletzt trafen wir uns mindestens zweimal im Jahr: Zum Weihnachtsbier im Dezember und – bis vor 3 Jahren – zu seinem Sommerfest (ohne Einladung!) anlässlich seines Geburtstags im Juni.

Seit 2 oder 3 Jahren wußte er von seiner schweren Erkrankung und kämpfte dagegen an. Zuletzt in diesem Jahr wollte er niemand empfangen. Mitte August ist Adolf verstorben.