2015

Erinnerung an den Architekten Helmut Wolf (1925-2004)

Hätte er es noch erlebt, wäre mein Vater, der Architekt Helmut Wolf, am 7. August dieses Jahres 90 Jahre alt geworden.

Sein Architekturstudium begann er bald nach der Heimkehr aus dem 2. Weltkrieg in den 1940ern an der TH in Karlsruhe („ …die mussten wir als Architekturstudenten selbst aufbauen, da war ja alles kaputt…“).  Was ihn zum Studium motiviert hatte, die Lust am Aufbau nach der Zerstörung oder ein Vorbild, ein Architekt aus dem mütterlichen Teil seiner Familie, ist mir nicht mehr erinnerlich – obwohl er mir dies vermutlich erzählt hat. Die Berufschancen im Baugewerbe – das war absehbar – sollten jedenfalls exzellent sein.

In Karlsruhe legte er 1949 seine Vordiplomprüfung u.A. bei den noch heute bekannten Professoren Eiermann (Baugestaltung: Note genügend!) und Haupt (Handwerkliche Einzelgebiete (?): Note ziemlich gut) und 1953 die Diplomprüfung ab (Thema: „Bebauung der Alb-Terrasse in Ettlingen“, Aufgabensteller: Professor Otto Ernst Schweizer, Note: gut bestanden).

Nach Mitarbeit in kleineren Architekturbüros und als Civil Engineer bei der US-Armee trat er 1954 in das Heidelberger Büro von Professor Otto Bartning und seinem Partner Otto Dörzbach ein. Neben verschiedenen Kirchenbauten in Berlin, Speyer und Worms war er dort mit dem Neubau des Markus-Krankenhauses in Frankfurt/Main betraut. Zudem war er als Freier Architekt während dieser Zeit mit dem Wohnhausneubau für seine Eltern auf dem Dilsberg bei Neckargemünd und dem Hotelneubau „Glück im Winkel“ in Aglasterhausen beauftragt.

1959 wechselte er als Projektleiter für den Neubau des Nord-West-Krankenhauses zu den Krankenhaus-Architekten Georg Köhler und Felix Kässens nach Frankfurt. Von 1964 bis 1978 realisierte er dort in Partnerschaft u.A. das Krankenhaus „Links der Weser“ in Bremen, die Kreiskrankenhäuser in Mühlacker und Idar-Oberstein sowie das Zentralklinikum in Augsburg.

Im Büro des Vaters sind mir in den frühen 1970er Jahren schon vor dem Abitur die technischen Grundlagen des Berufs vermittelt worden und sicher hat mich diese „Lehre“ inspiriert, anschließend selbst Architektur zu studieren. Spaß am spielerischen Entwerfen konnte ich bei diesen Krankenhausbauern allerdings nur selten erleben: Eine denkbare Zusammenarbeit mit meinem Vater nach meinem Studium kam wegen unserer unterschiedlichen Interessen und Temperamente nicht zu Stande.