1984

„Erweiterungsbau für das Germanische Nationalmuseum“ in Nürnberg

Städtebau und Verkehr
Die Erweiterung des Museums in westlicher Richtung auf das verfügbare Grundstück bringt stets den Konflikt mit der trennenden Straße. Unterführungen und Überbrückungen bleiben Behelfe – mehr Trennung als Verbindung von konzeptionell zusammengehörenden Funktionen.
Die Kartäusergasse als öffentlicher Straßenraum wird aufgehoben und teilweise bebaut. Die Fußgängerverbindung zwischen Kartäusertor (spätere U-Bahnstation) und Kornmarkt erfolgt durch die neue Museumspassage. Die Straße „Am Gräslein“ wird als Fußweg und für den Anliegerverkehr vorgesehen. Die Kartäusergasse wird von Norden als Anlieferzone benutzt. Im Süden entsteht der Kartäuserplatz; er bildet den Auftakt zum Eingang der Museumspassage; er wird eingefasst von Bauten aus verschiedenen zeitlichen Epochen und soll durch seine differenzierte Gestaltung (Cafeterasse, Brunnen, Gaststätte) einen neuen Anreiz im Nürnberger Altstadtgefüge bilden.

Neubau und Altbau
Die Museumspassage zwischen Kornmarkt und Kartäuserplatz bietet die vielseitig nutzbare Verknüpfung von Kultur-, Dienstleistungs- und Fußgängerverkehr. Sie übernimmt sowohl die internen Erschließungsfunktionen (Museum, Wechselausstellung, Vortrag, KpZ, Verwaltung, Bibliothek), als auch die Zusatzfunktionen wie Kartenverkauf, Information, Pförtner, Cafe- und Gaststättenzugang, Foyer für den Vortragssaal und Verkaufsständen. Die Gesamtanlage ist behindertengerecht.

Die Trennung zwischen halböffentlicher Zone und kontrolliertem Ausstellungsbereich verläuft durch die Passage und ergibt vielfältige Sichtbeziehungen zwischen beiden Bereichen – das „Schaufenster“ des Museums. Die beiden Ausstellungsräume und der Vortragsraum sind durch Einbau mobiler Trennwände und Podeste variabel nutzbar (siehe Nutzungsvarianten). Im ersten und zweiten Obergeschoß des Neubaus sind die Ateliers und Funktionsräume der Restaurierung und Fotowerkstatt untergebracht. Die Arbeitsräume sind größtenteils mit nordorientierten Oberlichtern ausgestattet. Einige Ateliers – besonders am Zugang zum KpZ – bieten Einblicke in die Arbeit der Restauratoren.
Das Archiv für bildende Kunst wurde in zwei Untergeschossen eingerichtet. Hier sind auch die technischen Zentralen und Funktionsräume untergebracht. Die Direktionsräume werden in den neuen Dachbereich zum Kartäuserplatz verlagert.

Die Unterteilung der Bauteile wurde gewahrt – der 2. BA kann von der westlichen Straße „Am Gräslein“ hergestellt werden. Die im 2. BA geforderten Depots werden in einem Magazinbau längs der Nordgrenze zum DGB-Haus untergebracht. Der Ausbau des KpZ und des Cafes ist jederzeit möglich, da diese in Altbaubereichen vorgesehen sind. Das Cafe befindet sich teilweise im freigelegten Kreuzgang und ist auch intern von der Museumsseite zu erreichen. Für die erhaltenswerte Hausfassade wird ein Wohnhaus zur zeitweiligen Unterbringung der Museumseleven mit Ladennutzung im Erdgeschoß vorgeschlagen.