2010 - 2011

Neubau einer Kindertagesstätte für 60 Kinder in Berlin-Französisch Buchholz

Ausgangslage und Projektziele:
Am Anfang stand der Wunsch der Bauherrschaft, eine vom Bezirksamt Pankow übernommene Kindertagesstätte, die in einem Barackenbau aus den 1940er Jahren untergebracht war, für 60 Kinder durchgreifend zu sanieren und den Bedürfnissen der Gegenwart anzupassen.

Nach der ersten Besichtigung der Einrichtung war jedoch schnell klar, dass alle Versuche, das malade Bauwerk zu heilen, einen unvertretbar hohen Aufwand erfordern würden. Im Lichte dieser Bestandsaufnahme schlugen wir den fachgerechten Abbruch der baufälligen Baracke und einen eingeschossigen Neubau vor, der heutigen Ansprüchen baukonstruktiv und bauphysikalisch nachhaltig gerecht wird. Gleichzeitig sollten hier die Betreuungsbedingungen verbessert und dabei die pädagogische Nutzfläche sowie die Sanitärbereiche dem heutigen Standard angepasst werden. Schließlich wollten wir mit dem neuen, pavillonartigen Gebäude den schon gewohnten Charakter der Einrichtung als „Haus im Grünen“ erhalten.

Zum Städtebaulichen:
Der Standort der Kindertagesstätte ist reizvoll: Das Grundstück liegt in einem bewaldeten Grünzug um den Parkgraben, einem Fließ östlich der Eddastraße, einer ruhigen Seitenstraße des Berliner Stadtteils Französisch Buchholz. Die Nachbarschaft wird geprägt durch Einfamilienhäuser. Im Norden grenzt eine nicht mehr genutzte Verbindungsstraße – heute zum Teil Fußweg und zum Teil von der Kindertagesstätte genutzt – das Grundstück zum anschließenden Waldgebiet ab.

Die Topographie bereichernd, Bebauungsmöglichkeiten auf dem Grundstück jedoch einschränkend, quert der Parkgraben das Grundstück von Nordwesten nach Südosten. Die nördliche Baugrenze des Neubaus ergibt sich aus der Bauflucht der östlich anschließenden Einfamilienhäuser. Östlich wurde der neue Baukörper mit Mindestabstand an der Grundstücksgrenze zum Nachbarn platziert. Dadurch wird im westlichen und südwestlichen Teil des Grundstückes eine große zusammenhängende Spiel- und Gartenfläche frei, die einerseits den neuen Pavillon von der Eddastraße in den intimen Hintergrund treten lässt und damit andererseits den Zusammenhang des Grünzugs um den Parkgraben erhält.

Zu Funktion und Gestaltung:
Der Bezug der Räumlichkeiten zur Freifläche gibt sowohl die funktionale Organisation des neuen Gebäudes und seiner Erschließung als auch dessen äußere Gestalt vor. Von der Eddastraße im Westen wird die neue Kindertagesstätte über einen befestigten Weg unter den alten Bäumen am Parkgraben erreicht. Ein kleiner Vorplatz vor dem Haupteingang soll hier gleichzeitig Ort des Abschiednehmens und des Wiedersehens wie des Wartens sein. Zudem könnten hier während der warmen Jahreszeit Feste und Aufführungen stattfinden. Der winkelförmige Bau wird zwischen den beiden Gebäudeschenkeln mit einem großen Raum erschlossen, der gleichzeitig Foyer, Mehrzweckraum (für Turnnutzung) und Speiseraum sein kann.

Auf der Südwestseite des Gebäudes wird im Anschluss eine Reihe von Gruppenräumen angeboten, die mittels Verbindungstüren unterschiedlich schaltbar sind. Alle Gruppenräume sind jeweils über Außentüren unmittelbar an eine vorgelagerte Terrasse und damit an den Garten angeschlossen.

Auf der Nordostseite befinden sich Garderoben-, Wasch- und WC-Bereiche für Kinder und Mitarbeiter sowie Räume für das Personal und ein Büro für die Kita-Leitung. Den nördlichen Abschluss bildet eine Raumzeile mit dem Küchenbereich, einem Technikraum sowie dem Kinderwagenabstellraum.

Die „dienenden“ Räume an der „kalten“ Nord- bzw. Nordostseite wurden mit Einzelfenstern in kräftig gefärbten und hochgedämmten Außenwänden ausgestattet, während die Fassaden der Gruppenräume und des Mehrzweckraumes auf der „warmen“ Südwestseite als Pfosten-/ Riegelkonstruktion mit Lüftungs- und Türflügeln aufgelöst wurde, um größtmöglichen Bezug zur Freifläche herzustellen. Gleichzeitig erwarten wir durch diese Ausrichtung in den Übergangszeiten solare Gewinne, die sich positiv auf die Energiebilanz des neuen Gebäudes auswirken.