1988 - 1989

Neubau für die „Kleinen Fächer“ der Freien Universität Berlin

Entwurfserläuterungen:
Der Wunsch des Auslobers ist zwiespältig: Einerseits sollen die funktionalen Vorteile eines Neubaues für die „kleinen Fächer“ der FU auf einem Grundstück genutzt werden, andererseits die Identität eines jeden Instituts erhalten bleiben. Auch die Umgebung des Grundstückes bietet ein uneinheitliches Bild: hier großmaßstäbliche FU-Gebäude und Museen, dort der Dorfkern Dahlem.

Einer Aufteilung des Grundstücks in sechs Parzellen für sechs Solitäre steht der Wunsch nach Zusammenschaltbarkeit der Bibliotheksflächen, aber auch nach Flexibilität in der Entwicklung der Universität entgegen. Noch wichtiger jedoch erscheint die Möglichkeit zu Kooperation und Austausch der Wissenschaftler. Angestrebt wird daher eine Struktur, die die „kleinen Fächer“ unter dem „Dach der Universität“ vereint, jedoch jedem Institut noch Raum für seine Eigenständigkeit belässt. Der Entwurf sieht folgende städtebaulichen Maßnahmen vor:

  1. Rücknahme der Baugrenze an der Lansstraße auf die Bauflucht des Museumseinganges, dadurch
  2. gleichzeitige Schaffung eines öffentlichen Raumes auf dem Grundstück – einer platzartigen Grünfläche, die sowohl Liegewiese wie auch Vorraum des Museums sein wird.
  3. Dieser neue „Anger“ bringt genügend Distanz zwischen den neuen FU-Komplex und der ortsüblichen Bebauung am Dorfkern Dahlem.
  4. Die Ausrichtung der Institute erfolgt gemäß ihres Volumens: die größeren, dreigeschossigen Institute begleiten die Takustraße mit dem Gegenüber des Museums; die kleineren Institute – zweigeschossig – orientieren sich kammartig zum Hechtgraben, die Einzelhäuser auf der Nord-Ostseite respektierend.
  5. Alle Institute lehnen sich mit ihrem öffentlichen Bereich (Bibliotheken und Seminarräume) U-förmig an einen intimen, abgesenkten Garten an, der zum „Anger“ räumlich geöffnet ist. Eine Cafeteria vermittelt zwischen öffentlichem Anger und dem Institutsgarten.
  6. Von einem öffentlichen Rampenweg und einer anschließenden Terrasse ist der „Giardino“ einsehbar.

... der Versuch, ein Dorf im Dorf für die „kleinen Fächer“ zu schaffen!

Für den ersten Bauabschnitt, das Seminar für Klassische Archäologie, wird eine Baufläche an der nordwestlichen Grundstücksecke vorgesehen. Er eröffnet von hier den Ring der „kleinen Institute“ und kann auch als Solitär in Nachbarschaft der Museumsbauten für begrenzte Zeit bestehen.

Die Aneinanderkopplung der einzelnen Bibliotheksbereiche zu einer umlaufenden Raumflucht ermöglicht nach Fertigstellung des Gesamtprojektes eine gemeinsame Nutzung der Bibliotheken mit vereinfachter Überwachung und Betrieb. Die Institutsflächen sind jeweils über mehrere interne Wege den Bibliotheksflächen zugeordnet. Es ist jedoch auch eine tageszeitliche Abtrennung der zu schützenden Bibliotheksbereiche denkbar.

Im Gartengeschoß befinden sich die Lehr- und Übungsräume, welche durch den Gebäudeverbund ebenfalls wechselseitig nutzbar sind. Teilweise bieten diese Räume durch mobile Trennwände zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten auch für externe Universitätsbereiche, da sie über eine separate Erschließung verfügen.

Die Dächer der Bibliotheksbaukörper neigen sich zum inneren Gartenbereich und fassen die Gesamtbebauung zu einer architektonischen Einheit, während die angegliederten Institutsgebäude in differenzierter Architektursprache das äußere Erscheinungsbild des Bauwerkes darstellen. Die später zu errichtenden Bauabschnitte können sich auch wandelnden Erfordernissen und Nutzerwünschen anpassen, ohne das innere Konzept zu verlassen. Nicht das Thema „Archäologie“ bestimmt die Form des Gebäudes, sonder die Arbeitsbedingungen von Lehrenden und Studierenden prägen seine Gestalt.

Architektonisches Ziel war ein modernes Haus. Moderne Architekturelemente erinnern – verfremdet – an historische Bauformen, ohne sich anzubiedern. Diesem Ziel ist auch die Materialauswahl verpflichtet: Glas, Blech und Stahl, Beton und Betonsteinmauerwerk für die Fassadenflächen, Blech für die Bibliotheksbedachungen bestimmen das Äußere. Die Flachdächer werden begrünt.

Der Garten zwischen den Gebäudeteilen soll mit wenigen Zitaten die klassische Landschaft hereintragen – ein Wasserbecken schafft Kühlung und reflektiert den Himmel, eine Zypressenallee spendet Schatten und Ruhe, auf Postamenten werden ausgesuchte Kunstwerke präsentiert.