1992/1995 - 1998

Neubau eines Hauses für die Studentenschaft (heute Institut für Weiterbildung) der Freien Universität Berlin

zum Städtebaulichen
Das Baugrundstück befindet sich in einem Villengebiet, das größtenteils mit Einrichtungen der Freien Universität belegt ist. In unmittelbarer Nachbarschaft – auf der gegenüberliegenden Straßenseite – schließen jedoch auch große Universitätsbauten aus den sechziger und siebziger Jahren an. Um den geplanten Neubau innerhalb der Villenumgebung nicht zu dominant wirken zu lassen, sollte eine straßenbegleitende Bebauung vermieden werden.

Dem Umfeld wollten wir mit einem Gebäude entsprechen, das sich in die Tiefe des Grundstückes entwickelt, die gedachte, in dieser Straße übliche Baufluchtlinie nicht überschreitet und straßenseitig in einer dem Villenmaßstab angenäherten Baumasse in Erscheinung tritt. Zur Reduzierung der von außen wahrnehmbaren Baumassen dient außerdem die Schaffung eines Hanggeschosses, wobei eine vorhandene Geländemodellierung ausgenutzt und zur Belichtung und Belüftung der Süd- und Westfassade erweitert wird. So entsteht ein abgeböschter Gartenhof als intimer Außenbereich. Um den vorhandenen Baumbestand zu schonen, knickt der Neubau in der Ost-Westachse ab. Alt- und Neubau werden schließlich durch ein leichtes Brückenbauwerk verbunden.

Entwurfskonzeption
In den Gesprächen mit der Bauherrschaft und den zukünftigen Nutzern entwickelte sich schnell der Wunsch nach einem Gebäude mit einer gewissen Zeichenhaftigkeit, um seiner Nutzung als eine zentrale Anlaufstelle für die Studentenschaft Ausdruck zu verleihen. Wir meinten, dass wir diesem Wunsch am ehesten mit einem besonderen Baukörper für den Veranstaltungssaal entsprächen. Im Zusammenspiel mit einer Abfolge ihrer Funktion nach differenzierter, anderer Baukörper – bis hin zur alten Villa – sollte ein "Architekturgarten" entstehen. Unser Ziel war, das Bauwerk maßvoll in die Villenumgebung zu integrieren, wie andererseits formal seine öffentliche Bedeutung zu vermitteln. Demzufolge ist der Neubau in drei Architekturelemente gegliedert:

  1. ein auf den Kopf gestellter, 2-geschossiger Pyramidenstumpf mit eingehängtem, asymetrisch ansteigendem Dach;
  2. ein auf der Nordseite 2-geschossiger, auf der Süd- und Gartenhofseite wie auf der Westseite dreigeschossiger Quader;
  3. auf der Gartenhofseite ein vorgestellter Zylinder mit aufgesetztem Kegelstumpf.

zum Formalen
Um den Charakter der einzelnen Baukörper zu untertützen, entschieden wir uns zur Zuweisung eines einheitlichen Materials für jeweils eine der geometrischen Formen.

Sowohl die nach oben auseinanderstrebenden Wände, als auch das zweisinnig gekrümmte Dach des Pyramidenstumpfes wurden mit einer einheitlichen Blechverkleidung versehen. In seine Ost- und Westfassade haben wir großflächige Fensteröffnungen eingeschnitten. Der geputzte Quader, der sich im Bereich des Haupteinganges mit dem Pyramidenstumpf und dem Zylinder verschränkt, erhielt auf seiner 3-geschossigen Süd- und Westfassade großzügige, mit Schwingflügeln ausgestattete Fensteröffnungen, während in seine 2-geschossige, blaugefärbte Nordfassade eine unregelmäßige Reihe von runden Fenstern mit unterschiedlichem Durchmesser eingestanzt ist. Die Dachfläche des Quaders wurde als begrüntes, nicht begehbares Flachdach ausgeführt. Der blaulasierte Sichtbetonzylinder des Aufzugturmes betont den Haupteingang als massives, schillerndes Merkzeichen des Formenensembles.

Erschließung und Funktionen
Von der aus Süden zugänglichen Eingangshalle am Zusammenstoß der 3 Entwurfselemente sind das Haupttreppenhaus, der Behindertenaufzug und ein Flur erreichbar. Er erschließt auf jeder der 3 Ebenen des Quaders eine zweihüftige Anlage von Büro-, Gruppen- und Beratungsräumen. Am westlichen Kopf knickt dieser Flur nach Süden in Richtung des Altbaus ab. Hier wurden das 2.Treppenhaus und die - derzeit nur geplante - Verbindungsbrücke zum Altbau angeordnet. Im Pyramidenstumpf befindet sich auf der obersten Ebene ein Veranstaltungsraum mit Galerie und einer vorgelagerten Foyerfläche mit Garderobenanlage. Darunter, auf der Eingangsebene, mußte auf Wunsch der Nutzer ein separater, zusammenhängender und für Frauen reservierter Gruppen- und Büroraumbereich geplant werden. Im Keller finden die haustechnischen Anschlußräume Elektro und Sanitär und eine WC-Anlage ihren Platz.

Saaldachkonstruktion
Bis zum Bauantrag war das Dach als ein sattelförmiges Geflecht aus Rundstäben mit aufgelagerten Trapezblechen geplant. Wahrscheinlich wirkte unser erster Vergleich mit der "Hängematte" doch zu bestimmend! Nachdem auch dieses Projekt für drei Jahre ruhen mußte, wurden während der Ausführungsplanung durch verschiedene Umstände neue Überlegungen erforderlich. In der Hauptsache bereitete jedoch die Frage nach der Angemessenheit der stark differenzierten, aufwendigen Konstruktion für dieses recht kleine Projekt einiges Unbehagen. Die nun ausgeführte Lösung enstand im Gespräch mit unseren Tragwerksplanern Gerhard Pichler und seinem Partner Andreas Schulz: Als tragende Konstruktion über dem Veranstaltungssaal entschieden wir uns für eine insgesamt nur 6 Zentimeter starke, zweisinnig gekrümmte Holzhängeschale aus 2 Lagen von bis zu 18 Meter langen, keilverzinkten Bretten, die gegeneinander um 90 Grad versetzt sind. Der Hohlraum zur Belüftung des Daches wird mit Brettstapeln überbrückt. Wir finden, dass sich durch die Einheitlichkeit des Materials der naturbelassenen, hellen Holzdecke und die statisch bedingten Wölbungen im Raum eine fast textile Leichtigkeit entwickelt hat. Im Zusammenspiel mit den rohen Sichtbetonwänden vermittelt der Saal eine ungezwungene Freundlichkeit.

Blechkonstruktionen
Unser vorher geschilderter Entschluß, die äußere Blechverkleidung des Pyramidenstumpfes - Dach und Wand - farblich und materiell als Einheit erscheinen zu lassen, führte letztlich zu einer Verkleidung aus vorpatinierten Kupfertafeln, da wohl das schwingende Dach mit der Zeit patinieren würde, die schräg nach oben hervorstehenden Wände jedoch kaum dem Niederschlag ausgesetzt wären - die erhoffte, einheitliche Grünfärbung des Körpers bliebe aus. Ausgeführt wurde eine durchgehend hinterlüftete Konstruktion. Auch kaum planbare Ebenenverschneidungen zwischen gewölbten Dachflächen und ebenen Aufschieblingen im Bereich der Einläufe wurden im Gespräch vor Ort einvernehmlich zwischen Handwerkern und Planern geklärt. Bei den Atticaabdeckungen des Aufzugturmes und des Quaders, sowie als Fensterbankabdeckungen kam mit Rücksicht auf elektrochemische Prozesse ebenfalls Kupfer zur Anwendung.